Die Alleen Rügens – grüne Kathedralen der Landschaft

Wer auf Rügen unterwegs ist, begegnet ihnen fast überall: den majestätischen Alleen, die wie grüne Kathedralen über den Straßen stehen. Gerade auf Südrügen, rund um Putbus, Lauterbach und Puddemin, prägen sie das Bild und machen jede Fahrt zu einem besonderen Erlebnis.


Eine der vielen Alleenstraßen

Die Geschichte dieser Baumreihen reicht weit zurück. Schon im 18. und 19. Jahrhundert wurden sie als „Chaussee-Begleitgrün“ angelegt. Damals reiste man mit Pferd und Wagen über staubige Sandwege – die Bäume spendeten Schatten, hielten den Wind ab und schützten den Boden vor dem Verwehen. Gleichzeitig gaben sie den Straßen eine klare Orientierung, was in einer weiten, offenen Landschaft unverzichtbar war.


Später übernahmen auch die Gutsherren und Fürsten die Idee. Wer nach Putbus oder zu einem Herrenhaus fuhr, sollte schon auf dem Weg die Würde und Schönheit der Umgebung spüren. Eine von Linden oder Kastanien gesäumte Allee wirkte repräsentativ – und ist bis heute ein eindrucksvolles Natur- und Kulturerbe.


Keine Straße auf Südrügen ohne Baumzaun! 😎

Unter der DDR erlebte das Alleenpflanzen eine neue Blüte: Kilometerlange Baumreihen wurden gesetzt, um die Straßen zu befestigen, aber auch, um das typische Landschaftsbild zu erhalten. Viele dieser Alleen sind heute Teil der Deutschen Alleenstraße, die von der Insel Rügen bis zum Bodensee führt – über 2.900 Kilometer lang.

Wer im Frühjahr durch Südrügen fährt, erlebt die weißen Blütenkerzen der Rosskastanien, im Sommer das tiefe Grün der Linden und im Herbst das bunte Farbspiel von Ahorn und Eiche. Manchmal trifft man sogar auf alte Obstalleen, deren Äpfel und Kirschen im Spätsommer den Straßenrand schmücken. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Zauber – und jede Allee erzählt von einer Zeit, als Reisen noch langsamer, aber intensiver war.

Heute sind die Alleen nicht nur Verkehrswege, sondern auch wertvolle Biotope: Sie bieten Lebensraum für Vögel, Insekten und Fledermäuse, spenden Schatten und prägen das Gesicht der Landschaft. Wer auf ihnen unterwegs ist, ob mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß, fährt durch ein Stück lebendige Kulturgeschichte.

Und vielleicht spürt man genau deshalb diesen besonderen Moment, wenn sich die Kronen über der Straße schließen: Man fühlt sich geborgen, geführt – und weiß, dass hier Natur und Kultur auf einzigartige Weise zusammengefunden haben.

Nach diesen Eindrücken über die Geschichte und Bedeutung der Alleen möchte ich von meiner eigenen kleinen Rundtour berichten. Sie beginnt im stillen Dorf Puddemin, wo Reetdächer und der Naturhafen die typische Südrügen-Atmosphäre prägen.


Die Schlosskirche von Putbus 


Putbus nennt sich auch Rosenstadt. Alle Gebäude sind flankiert von uralten Rosenbäumen. 

Über die Deutsche Alleenstraße fahre ich zunächst durch Kranvitz nach Putbus. Die weiße Residenz- und Rosenstadt mit Schlosspark und Circus ist ein Schmuckstück klassizistischer Baukunst. Nur das Schloss selbst ist nicht mehr zu sehen – es wurde 1962 abgerissen, eine Entscheidung, die man bis heute als schmerzlichen Verlust empfindet.

Von dort führt mich die Allee weiter nach Lauterbach, einem kleinen Hafenort am Greifswalder Bodden. Hier schlendere ich über den Holzsteg zwischen alten Fischkuttern und modernen Segeljachten hindurch und genieße den Blick zur Insel Vilm. Ein weiteres Highlight sind die frischen Fischbrötchen, die hier in allen Variationen angeboten werden – ob Matjes, Bärlauchmatjes oder Pfefferhering.


Der Steg in Lauterbach

Über schattige Baumreihen erreiche ich das idyllische Seedorf. Hier lohnt es sich, einen Moment länger zu verweilen. Der kleine Naturhafen schmiegt sich sanft an die Ufer der Having, einer Bucht des Greifswalder Boddens. Alte Fischkutter liegen neben eleganten Segelbooten, das Wasser glitzert im wechselnden Licht, und die Reetdächer des Dorfes fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. Abseits der großen Badeorte wirkt Seedorf fast zeitlos – ein Ort, an dem Ruhe und Ursprünglichkeit noch spürbar sind.


Der Jachthafen in Seedorf

Die Alleenstraße führt mich anschließend nach Lancken-Granitz, wo die alte Feldsteinkirche inmitten einer Kastanienallee besonders eindrucksvoll wirkt. Durch das stille Dorf Zirkow und vorbei an alten Höfen gelange ich nach Poseritz, dessen Kirche die lange Geschichte der Gemeinde spürbar macht. Zum Abschluss führt mich die Lindenallee nach Groß Schoritz, dem Geburtsort von Ernst Moritz Arndt.


Gutshof in Groß-Schoritz: Geburtsort von Ernst Moritz Arndt


Gutshöfe hatten in der Regel ihre eigenen Obstgärten ...

Von hier kehre ich schließlich wieder zurück nach Puddemin. Die Runde schließt sich.



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